DUKW



 

Das Original

Man nehme den 2,5 to-Lkw GMC CCKW 353 und baue eine Ponton-Hülle drumherum, füge eine Schiffsschraube samt Ruder sowie ein Schwallbrett hinzu, und schon hat man einen Schwimm-Lkw, der nicht nur an allen Fronten im 2. Weltkrieg eingesetzt wurde, sondern auch Jahrzehnte danach von allen möglichen "Zweitnutzern" z.B. für zivile Zwecke: noch heute etwa in London und Dublin für Stadtrundfahrten.  Die seitlichen Scheuerleisten erhielten ihre Entwässerungsschlitze nicht in der Fabrik; die ersten gut 2000 Stück hatten einen Fahrerstand mit senkrechter Scheibe; und bei Kriegsende wurde die Produktion eingestellt.

Der Bausatz

Dieser Bericht behandelt die Erstausgabe der Italeri-Fahrzeugbausätze, die ohne Zubehör, Nr. 6392. Den Eduard-Ätzteilesatz Nr. 35687 für DUKW mit Haubitze konnte ich allerhöchst preiswert erstehen, die Fender von Thachweave fand ich einfach besser als alles, was ich durch Bemalen aus den Bausatzteilen hätte herausholen können. Und Archer Decals halfen bei der Verschönerung.




Der Bau

Abweichend von der Bauanleitung fing ich mit der "Wanne" an. Und hatte gleich große Pass-Probleme: Bug und Heck, aus den unteren Teilen zusammengesetzt, waren deutlich schmäler als die entsprechenden Stellen des Oberdecks. Ich sah mich deshalb gezwungen, vorn und hinten Füllmaterial einzukleben. Damit war dann nur noch das Deck etwas zu lang – die Rippen, die am Heck von unten hochkommen, sollten an dem horizontalen Wulst am Deck enden; na ja. Unter der Winde ist dafür das Deck etwas zu kurz. Um einen Zustand vor 1945 zu zeigen, habe ich alle "Abwasser-Schlitze" in den Seiten mit Plastikstreifen gefüllt und verschliffen.

Die Lenkung muss bei meinen Rad-Modellen beweglich sein, also habe ich als erstes die trocken zusammengesetzte Vorderachse und ihre "Ansätze" 72c und 73 c  an der passenden Stelle mit 0,3 mm senkrecht durchbohrt.  Die "Ansätze" wurden dann in je zwei Ringe zerlegt, von denen die inneren an die Achse geklebt wurden. (Achtung: an sich müssten vorher die Blattfedern auf die Achse gesetzt werden, da sie nicht über die Ringe passen; wegen der zu erwartenden Spachtel- und Schleifarbeiten fand ich es einfacher, später ihre U-Bolzen abzuschneiden und separat anzukleben.) Als nächstes wurden die "Achsstifte" knapp außerhalb der Bohrungen von der Achse abgetrennt und in die äußeren "Ringe" von 72c/73c eingeklebt. Ein weiterer Ring aus 1mm Sheet wurde um die Achse geklebt, um den Raum zwischen dem inneren Ring und der Bohrung zu füllen.

Nach gründlichem Aushärten wurden die gekürzten Achsenden in eine Art Halbkugeln geschliffen und die Öffnungen in den äußeren Ringen so weit geöffnet, dass sie darüber passten. Mit Scharnierstiften aus 0,3mm Draht dreht sich alles nach viel Probieren und Schleifen problemlos. Die Spurstange musste neue Bohrungen erhalten, damit die Räder parallel standen, und wurde mit gezogenem Gießast beweglich montiert. Blieb der Lenkungsarm. Das Bausatzteil stammt aus einem schlechten Traum und wurde durch einen zweiteiligen korrekten ersetzt (Vorbild: Italeri GMC CCKW 353), der 5mm hinter dem Stoßdämpfer montiert wurde.

An den Hinterachsen musste von der mittleren Strebe (91c) auf beiden Seiten je 1 mm abgeschnitten werden, bevor sie ohne Biegen passte. Alle Räder benötigten außer viel Schleifen in Richtung runder Querschnitt noch Ventile aus gezogenem Gießast; die dafür nötigen Ausschnitte in den Felgen ließen sich mit einem Linolschnitt-Messer mit V-Profil herstellen. Eigenbau-Verkleidungen für die Vorderrad-Ausschnitte sind aus Styrol-Sheet und -Streifen.

Ein allgemein beklagtes Problem dieser Bausätze sind die vorderen Abschleppösen, die Italeri starr an ihre Aufhängungen modelliert hat, so dass sie ständig Gefahr laufen, abgeknickt zu werden. Ich habe deshalb nach Durchbohren der Bolzen die Ösen abgesägt und mit gezogenem Gießast beweglich wieder angebracht.

Das  auffälligste Detail an Deck ist wohl das Schwallbrett. Das lässt sich in Spritzguss nicht in maßstäblicher Stärke herstellen; seine beiden Stützen allerdings schon, und das vor allem in der richtigen Länge – das hat Italeri versäumt. Der Eduard-Satz Nr. 36048, 'British Army exterior', bietet einen Messing-Ersatz des Bretts. Da ich nun aber den "falschen" Eduard-Satz hatte, musste ich das Brett selbst biegen, aus ganz dünnem, sogenanntem Drucker-Aluminium. (ACHTUNG: Eduard 36049 nennt sich "Surf Plates", hat aber einen völlig anderen Inhalt, nämlich die Teile für ein ganz frühes DUKW-Fahrerhaus, mit senkrechter Scheibe!)

Das eigentliche Brett zu schneiden war einfach, aber die ganzen Versteifungen mit ihren Flanschen stellten mich doch vor ein Problem. Vermutlich gibt es einfachere Methoden, aber mir ist nur diese eingefallen: Drei Scheiben 1mm-Plastiksheet habe ich zu einer "Kerbe" geklebt von je 1mm Breite und Tiefe. Ein Streifen Aluminium korrekter Länge und etwa 5mm Breite wurde über dem Rücken einer passenden Messerklinge in U-Form gebogen und mit ihr in die Kerbe gedrückt, so dass dann die Flansche nach außen weggebogen werden konnten. Deren einheitliche Breite erreichte ich durch das Ansetzen eines Spachtels, an dem entlang geritzt wurde, so dass sich der Überschuss durch Hin- und Herbiegen entfernen ließ. Unnötig zu erwähnen dass ich jede Menge Schrott produziert habe, aber das Ergebnis gefällt mir. – Von den Italeri-Stützen habe ich nur die Enden übernommen und sie an neue Streben korrekter Länge geklebt; die beweglichen Arretierungen auf Deck sind aus überarbeiteten Eduard-Teilen, kombiniert mit gezogenem Styrol-Rohr und Gießast. 

Sämtliche Werkzeuge auf dem Vorschiff wurden an Zurrösen aus gezogenem Gießast in ihren Eduard-Halterungen befestigt, mit Riemen aus Durchschlag-Papier samt Schnallen aus dünnstem Draht. Der  Anker sieht sehr nett aus und ist ordentlich modelliert, leider aber einige Nummern zu klein für dieses Fahrzeug, und außerdem fehlen seine Unterbringungs-Teile (aber vielleicht eignete er sich für einen Ford GPA?). Also wieder: selbstmachen.   Um die Länge der Einzelteile zu bestimmen, mussten sie provisorisch montiert werden, über der Winde. Und dabei fiel auf, dass auch hier Detaillierungs-Potential besteht: Die Trommel lässt sich heraustrennen und mit dünneren Endscheiben versehen sowie mit fusselarmem schwarzem Leinen-Sterngarn umwickeln. Ein Stück Kette aus dem Schiffs-Modellbau sowie ein Stückchen Draht in einem Stück Kabelisolierung schufen die Verbindung zum Bausatz-Haken. Aus Scheiben von einer Sechskant-Stange entstanden Muttern, aus kurzen Stücken gezogenen Styrol-Rohrs Befestigungspunkte für einen Kran-Ausleger.

Da zum Anpassen des Ankers auch das Reserverad kurzfristig seinen Platz einnehmen musste, fiel mir auf, dass dessen Felge viel zu dick war; also wurde sie von innen/unten auf maßstäbliche Stärke geschliffen. Die beiden Befestigungsmuttern wurden durchbohrt und erhielten Stangen, an denen sie "festgeschraubt" sind. – Die Schraubenlöcher in den PE-Kanisterhalterungen wurden mit gezogenem Gießast und Weißleim gefüllt, so dass sie eine "Funktion" haben.

Italeri-Passgenauigkeit war wieder ein Thema beim Führerstand: zwischen dessen Vorderwand/Windschutzscheibe und den kombinierten Lufteinlässen/Seitenwänden klafften Spalte, wie sie einfach nicht vorkommen dürften. Während sie sich oben mit viel Spachtel schließen ließen, war an den Seiten nach dem Spachteln und Schleifen ein (in  Eduard Nr. 36048 enthaltener) Streifen samt Nieten aus Weißleim zu ergänzen. Die Hupe habe ich abgeschliffen und durch das entsprechende (zusätzlich detaillierte) Ätzteil ersetzt.

Um mein Modell etwas abzusetzen, entschloss ich mich, die Windschutzscheibe abgeklappt darzustellen. Nach dem Auseinandertrennen musste dafür die Vorderwand ca. 1 mm erhöht werden. Da dieses frühe Fahrzeug keine Reifendruck-Regulierungsanlage besitzt, wurde das Armaturenbrett um sein rechtes Drittel verschmälert, womit sich das entsprechende Ätzteil erübrigte; ich habe daher die Instrumenten-Zeiger im Bausatzteil ausgefräst und die mit 'Punch and Die' ausgestanzten Papp-Varianten von Eduard mit Future eingeklebt und "verglast".

Die Innenwände des Fahrerhauses wurden mit den PE-"Sperrholz"-Teilen von Eduard beklebt; dabei zeigte sich, dass für die Seiten des Fußraums (neben den Pedalen etc.) nichts Geätztes vorhanden war und deshalb aus Sheet mit Kratzern von grobem Sandpapier etwas selbst gemacht werden musste. Viele weitere PE-Teile werteten den Innenraum auf, die Sitze bekamen "Stoff"-Struktur durch eine einzelne Lage Papiertaschentuch, die mit dünnflüssigem Kleber betupft wurde.

Die PE-Gitter der seitlichen Lufteinlässe zeigten sich als zu niedrig für die von mir geschnittenen Öffnungen, Selbermachen aus 'Meterware' war aber kein Problem. Die Abdeck-Klappen darüber aber passten prima und erhielten nur noch kleine "Riegel". Als neues Auspuffrohr nahm ich ein Stück isolierten Kupferdraht. Aus bestimmten Winkeln konnte man durch die Lufteinlässe Licht sehen, das durch die Öffnung hinter dem Fahrer einfiel und vom Boden reflektiert wurde; daher habe ich "Flügel" unter die Seiten des Kabinenbodens geklebt. Unter beide Einlässe kam ein Belegbügel aus Messingdraht.

Für die Fenster gab es zunächst dünnere neue Scheiben aus Azetat (Klarsichtpackung), mit "Innenrahmen" aus Styrol-Streifen. Deren Anbringung erforderte den Ersatz der Wischermotoren durch korrekte Teile, wobei der biegsame Teil der Leitung gezogener Vinyl-Gießast (von Panzerketten) ist.
An den seitlichen Dreiecksfenstern wurden die Feststellräder abgeschnitten und entsprechende Scheibchen an das Fahrerhaus geklebt. Jetzt konnten die Dreiecke "gefaltet" und die Scheibe geklappt angeklebt werden; "arretiert" durch die mit Weißleim aufgedickten PE-Klammern.

Der Hauptgrund für meine Investition in Eduard war das Gitter hinter dem Fahrer gewesen, denn das ist im Bausatz einfach viel zu grob. Das entsprechende Ätzeil dagegen bekam schon Knicke, wenn ich es nur ansah; zur Stabilisierung habe ich daher 0,4 x 0,5 mm Plastikstreifen unter die Ränder geklebt. Erst nach dem Einbau fiel mir auf, dass ich vorher noch 4 Kardanwellen-Imitate (für zwei Hinterachsen und -dünner- für Winde und Schraube) hätte einbauen können –  zu spät. Alle DUKW hatten Vorrichtungen zur Montage einer MG-Ringlafette, egal, ob sie die Waffe führten oder nicht. Die habe ich also auch geschnitzt. Darüber hinaus kamen an die Fahrerhaus-Rückwand Halterungen für ein Planen-Gestänge und Zurrösen für diese Plane; entsprechende Dinge auch an die Seitenwände.

Der Boden der Ladebucht sollte Sperrholzmaserung haben. Die gibt es als Ätzteile (Gauntlett und Eduard 'DUKW interior') – ABER: im Original waren das jeweils durchgehende gemaserte Platten, in PE wird  dagegen eine Art 'Parkett' wiedergegeben. Also beschloss ich, eine volle Beladung zu installieren oder eine Plane reinzulegen. Die Planen-Zurrungen außen sind bei Eduard als Haken aus Blechstreifen wiedergegeben; das ist korrekt für die Rückwand. An den Längsseiten dagegen sitzen im Original "N"-förmige Drahtgebilde, deren Diagonale aufgeschweißt ist – wie von Italeri korrekt angedeutet. Die Nachbildung aus 0,3 mm-Draht war zwar fummelig, sieht aber gut aus, finde ich. (Die Eduard-Haken könnten aber korrekt sein zusammen mit Eduard 36049, für ein frühes DUKW mit senkrechter Scheibe.) Die Eduard-Einsätze für die Planenspriegel habe ich weggelassen, da mindestens das Toadman's-Exemplar die Ausschnitte so offen hat wie Italeri.

Die Bemalung/Alterung

Nach Anbringen der restlichen Eduard-Teile sowie einer Reihe von ABER-Flügelmuttern kam das gehasste Bemalen ‒ ich weiß, ohne geht's nicht, aber deshalb muss es mir noch lange keinen Spaß machen! (Pinselbemalung Humbrol Gunmetal 53, darauf Humbrol 86.) Abziehbilder aus dem Bausatz drauf, Rückstrahler aus Schokoladen-Folie, fertig ‒ fast: bis auf die Fender. Da hat Italeri zwar getan, was man konnte, aber überzeugend ist das Resultat nicht ‒ jedenfalls, wenn man so ungern und wenig gut malt wie ich. Also habe ich in "Thachweave" investiert; das sind aus Garn gefertigte Geräte, die zwar nicht genau die Form haben, die man auf Bildern sieht, dafür aber absolut echt aussehen. Gefärbt habe ich sie mit schwarzem Tee (2 Beutel auf 1 Tasse) und weiter mit Wasserfarben. Bei ihrem Anbringen zeigte sich ein letzter Recherche-Fehler von Italeri: Die vordersten zwei sind nicht an der großen Öse befestigt, sondern an einem Draht-Oval, das dahinter an die zentrale Sicke geschweißt ist. Aus dem mitgelieferten Garn habe ich dann noch ein paar Leinen gefertigt und aus Tee-gefärbtem weißem Nähgarn noch einige dünnere. Die "Plane" im Laderaum ist Seide, in Wasserfarbe getaucht, wie auch die "Kartentasche" an der Lehne des Fahrersitzes.



Fazit

Unterm Strich ließ sich ein sehr schönes Modell bauen, aber mit etwas mehr Sorgfalt bei Italeri (die nicht mal mehr Geld gekostet hätte, nur Aufmerksamkeit) wäre OOB Vieles mit erheblich weniger Arbeit möglich gewesen.

Preis / Leistung: ***** Paßgenauigkeit: *****
Detaillierung: ***** Schwierigkeitsstufe: *****




Empfohlene Referenzen:

  • "Toadman's Tank Pictures" im Internet    
  • Boniface/Jeudi, "The GMC, a universal Truck" 
  • Ampersand "Allied – Axis", Vol. 2.

© 02/2022 Peter Schweisthal

1798 Leser dieses Bauberichts seit dem 15.02.2022


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