Jagdpanzer Ferdinand, Sd.Kfz.184


 

Das Original

Der schwere Jagdpanzer Ferdinand (benannt nach Ferdinand Porsche) geht direkt auf die Fehlentwicklung des Panzerkampfwagens Tiger, Ausf. Porsche VK4501 (P), zurück. Bei der Führer- Konferenz vom 22. September 1942 wurde daher beschlossen, einen Teil der Porsche Tiger als Sturmgeschütze mit 200mm Frontpanzerung auszuführen. Als Hauptbewaffnung war der Einbau der hervorragenden 8,8 cm PaK 43 L/71 vorgesehen. Das Fahrzeug erhielt einen Hybridantrieb von zwei Maybach 120TRM Triebwerken mit je 265 PS. Jeder dieser Motoren war mit einem Siemens-Schuckert 500 Volt-Ampere-Generator verbunden. Er gab die erzeugte Elektrizität an zwei 230 kW Elektromotoren ab. Obwohl diese Leistung für den Antrieb des Fahrzeuges durchaus genügte, war der Leistungsverlust doch enorm. Für 150 km Straße oder 90 km Gelände benötigte das Fahrzeug bis zu 950 Liter Benzin. Insgesamt wurden 90 Fahrzeuge in den Niebelungenwerken produziert, die zum ersten Mal im Juli 1943 bei Kursk zum Einsatz kamen.

Quelle: Schwere Jagdpanzer im Einsatz (W. Spielberger)

Der Bausatz

Mit der Bausatznummer 6495 hat Dragon den Ferdinand in der Kursk Edition herausgebracht. Der Bausatz basiert auf dem Elefant-Bausatz von 2000, dies tut der Qualität aber keinen Abbruch. In diesem Bausatz ist alles enthalten, was das Modellbauerherz begehrt. 16 Spritzlinge aus Kunststoff, davon einer aus Klarsichtteilen, je eine Ober- und Unterwanne und eine Magic Track (fertig versäuberte Einzelgliederkette). Außerdem drei Ätzteilplatinen für Kettenbleche, Staukisten und sonstige Verfeinerungen. Ein Alurohr, 220 mm Metallkabel, 120 mm Metallkette und diverse Metallkleinteile wie Abschleppösen, Bolzen und die fertig gebogenen Verbindungsdrähte für die vorderen Kettenbleche. Ein kleiner Decalbogen mit Zahlen, Balkenkreuzen und Kompaniezeichen ist auch dabei. Die Bauanleitung ist -für Dragon - gut und übersichtlich gestaltet. In 22 Bauabschnitten kommt man zum fertigen Modell. Die Teile an sich machen alle einen sehr guten Eindruck, so, wie man es von Dragon gewohnt ist. Die PE Platinen kommen allerdings sehr dünn daher, so dass Bruchgefahr besteht. Wie ich aus der Bauanleitung entnehmen konnte, kann man die Ätzteile auch komplett weglassen und den Bausatz nur aus den Plastikteilen fertigen, was allerdings zum Verlust vieler schöner Details führt.

Der Bau

Bei diesem Projekt wäre es langweilig gewesen, das Fahrzeug einfach aus der Box zu bauen. Um ein wenig Leben in diesen tristen Klotz zu bringen, habe ich mich entschieden, die Inneneinrichtung soweit wie nötig in Eigenbau zu erstellen.
Dabei sollen die Fahrer-, Funker-, Kommandanten- und Richtschützenluke offen bleiben. Zur Recherche habe ich mir das Buch Schwere Jagdpanzer im Einsatz (W. Spielberger) und das Sturmgeschütz Ferdinand (M. Svirin) besorgt.

Wie sich später herausstellte, sind beide Bücher nicht ganz korrekt, deshalb habe ich weitere Recherchen im Internet betrieben.  Zu 100 Prozent konnte mir leider auch dort niemand sagen, wie der Ferdinand im Innenraum aussah. Deswegen habe ich ihn nach einer Vorlage eines Modellbaukollegen nachgebaut.

Z
uerst habe ich den Fahrer- und Funkerraum grob dargestellt. Dazu gehörte eine Schottwand, der Boden und eine Mittelkonsole. Die Wanne des Bausatzes ist etwas verzogen, deshalb habe ich die Schottwand aus 0,8 mm Plastikkarte gebaut und an der Hinterseite mit Streben verstärkt. Im Fußraum lagen Fußrasten aus Holz sowie zwei Podeste, in denen die Elektronik untergebracht war. Für die Steuerkonsole in der Mitte habe ich 0,5 mm Plastikkarte verwendet. Um die Vorgelege darzustellen, habe ich zwei Deckel von Farbfläschchen von Vallejo benutzt und an die Enden ein geriffeltes Stück eines Tubenverschlusses angeklebt. Der Behälter in der Mitte besteht aus einem Holzrundstab, den ich später mit Tamiya Texturfarbe eingepinselt habe. Die Sitze habe ich aus 0,7 mm Kupferdraht gebogen und verlötet. Die Sitzflächen  wurden mit Milliput nachgebildet. Nach meinen Recherchen wurde der Sitz des Fahrers mit einer Konstruktion an der Schottwand befestigt. Der des Funkers hingegen einfach mit einer Lochschiene auf den Boden festgemacht. Weitere Zubehörteile habe ich der Inneneinrichtung des Trumpeter Brückenleger IV entnommen.

Der Kampfraum ist im Vergleich zum Fahrerraum schon wesentlich schwieriger zu scratchen. Dazu musste ich zuerst das Heck des Ferdinands nach Bauanleitung vervollständigen. Wie der Bug war auch das Heck der Wanne verzogen.  Hier musste ich die Teile B6 und B7 etwas bearbeiten und verspachteln, damit die Heckplatte einigermaßen gepasst hat.  Als diese Hürde genommen war, konnte ich mich endlich dem Kampfraum zuwenden. In diesem  habe ich als erstes eine Konstruktion, auf der die Bodenplatte liegt, gebaut. Auf die Bodenplatte habe ich wiederum in den vorderen Bereich drei Podeste gebaut. Auf die zwei Äußeren kommen jeweils 4 Mahle Luftfilter und auf dem Mittleren liegt der Drehpunkt der Kanone. 
An beiden Seiten habe ich die Munitionslagerblöcke erstellt und diese mit Nieten von Laufrollen des Panzer 38(t) versehen. Als Überbleibsel des VK 4501 waren im Innenraum noch zwei Dreiecksverstrebungen vorhanden. Auch diese habe ich aus Plastikkarte nachgebaut.

Der Sockel, den Dragon für die Kanone vorgesehen hat, stimmt leider nicht mit dem Original überein. Deswegen habe ich auch diesen selbst erstellt sowie die Kanone mit Plastikkarte und Draht weiter detailliert. Am schwierigsten waren allerdings die Seitenhalterungen für die Munition zu erstellen. Dazu habe ich in eine 1 mm Plastikkarte im Abstand von 5 mm je sechs 3,6 mm Löcher gebohrt und die Karte genau in der Mitte der Löcher entlang zerschnitten. So habe ich Halbkreise erhalten, die ich wiederum aufeinander geleimt habe und so eine 2 mm starke Halterung entstanden ist. Diese habe ich dann an den offenen Lochenden noch etwas abgeschliffen, so dass die Munition problemlos hineinpasst.
Aus der Folie einer Sektflasche und Draht erstellte ich Zurrgurte und klebte sie an diese Halterungen an. Ebenfalls an die Seitenwände habe ich die Kisten für das Funkerzubehör, die Leuchtmunition und die Prismen Staubox gebaut und angebracht. Damit war der Innenraum fertig für die Bemalung.

Als nächstes habe ich mich mit dem Laufwerk des Fahrzeugs beschäftigt. Die Rollwagen passen perfekt zusammen sowie auch die Laufräder. Hier ist eine Verwechslung ausgeschlossen, weil diese durch unterschiedlich große Bohrungen nur an die dafür vorgesehenen Positionen des Rollwagens passen. Auch das restliche Laufwerk passt sehr gut zusammen.
Die vorhandene Magic Track habe ich durch eine Friulkette ersetzt. So sparte ich mir viel Arbeit beim Verspachteln der Auswurfmarken.
Danach habe ich das Heck und die Front nach Bauanleitung vervollständigt. Die in der Anleitung gezeigten Wärmeleitbleche (MB 3, MB 8 und MB 11) dürfen für den Kursker Ferdinand nicht verwendet werden. Diese wurden erst mit der späteren Umrüstung eingeführt.

Die Regenrinne (A29) habe ich durch ein Stück Messingblech ersetzt.  Sehr löblich ist es, dass Dragon die Ösen für die Abschleppseile (MD 4) und deren Bolzen (MD 3) als Metallteile beilegt. Um die dünnen PE Kettenbleche an die Wanne zu bringen, habe ich aus 0,5 mm Plastikkarte Hilfsstege unter die eigentlichen Bleche geklebt und diese mit der Wanne verbunden. Hier sollte vorher auf jeden Fall eine Trockenanpassung erfolgen. Die Kettenbleche sind ungefähr 2 mm zu kurz, deshalb habe ich diese mit einem Streifen Plastikkarte verlängert. Die Winkel zu den Kettenblechen (MA 30) sind in der Anleitung falsch abgebildet. Sie müssten zur Wanne ein U ergeben. Leider habe ich dies zu spät gemerkt und sie falsch verklebt.
Die Staukiste (PE Teil) für das Werkzeug passt auch nicht ganz zusammen und es entstehen an den Seiten Spalten, die ich aber mit Lötzinn geschlossen habe. Auf die Halterungen für die Ersatzkettenglieder habe ich ganz verzichtet, da mir die Teile zu grob ausgearbeitet waren.
An die linke Wannenseite habe ich noch den Hammer geklebt und die Halterung durch eine geätzte ersetzt.

Im nächsten Bauabschnitt geht es an den Aufbau. Natürlich habe ich hier die Luken geöffnet dargestellt und die Griffe mit 0,5 mm Plastikstab nachgebildet. Sonst bin ich nach Anleitung vorgegangen und habe alle Bauteile wie dort beschrieben verklebt.
Ein kleines Highlight sind dabei die Regenrinnen an der Front, die aus Messingblech bestehen und sehr filigran dargestellt sind. Auch der Zusammenbau der Motorabdeckung verläuft problemlos, dort habe ich nur die Griffe (E29) durch geätzte Teile ersetzt. Zum Abschluss des Baus wird das Kanonenrohr eingesetzt, dazu habe ich das dem Bausatz beigefügte Aluminiumrohr verwendet. Dann habe ich mich doch noch entschieden, die Winkel an den Kettenblechen selbst neu zu gestalten. Wie ich herausfand, sind dies die Ausbauhilfen für die Rollwagen, an denen ein Kran befestigt werden konnte. Für die Ausbauhilfen habe ich zwei schmale Streifen aus 0,6 mm Plastikkarte geschnitten und diese zum Winkel verleimt, auf Länge geschnitten und an das Fahrzeug montiert. Somit war der Bau abgeschlossen.   

Bemalung/Alterung

Zuerst habe ich den Innenraum bemalt. Bei diesem habe ich, wie bei deutschen Fahrzeugen üblich, die Wände in Weiß und den Boden in Grau gespritzt und mit Produkten von Mig und AK leicht gealtert.
Danach wurde das Fahrzeug fertig montiert und wieder in seine Baugruppen zerlegt. Nachdem ich diese in einem Sodabad gewaschen hatte, habe ich den Ferdinand mit dem Hellgrauen Primer von Vallejo grundiert.

Nach einer ausreichenden Trocknungszeit von mindestens 48 Stunden habe ich mit dem AK Farbset die Grundfarbe aufgetragen. Als nächstes folgten die Colormodulation und die grüne Tarnfarbe. Nach zwei Filtern (grau und braun) von Mig habe ich anschließend ein Fading mit Ölfarben aufgebracht. Dieses bringt ein paar andere Farbnuancen in das Fahrzeug.
An der Unterwanne habe ich Pigmente mit Pigmentfixer aufgebracht und das Laufwerk montiert. Die Laufflächen der Stahlrollen habe ich dabei mit Dark Steel Pigments mit einem Wattestäbchen abgerieben. Um die Details besser hervorzuheben, habe ich alle Vertiefungen mit DAK Wash von AK behandelt. Daraufhin habe ich Lackabplatzer mit hellem Gelb und den hervorragenden dafür geeigneten Vallejo German Cam. Black (822) mit einem 5/0er Pinsel aufgemalt und mit einem Schwamm aufgetupft.
Um weitere Verschmutzungen aufzubringen, habe ich mit Ölfarben und Pigmenten noch einige Akzente gesetzt. Hierbei wollte ich nicht übertreiben, weil die Fahrzeuge bei der Schlacht von Kursk das erste Mal zum Einsatz kamen.
Die Friulkette habe ich brüniert und anschließend mit Track Wash von AK sowie Standard Rust Effects behandelt. Die Laufflächen habe ich mit Sandpapier wieder abgeschliffen und die Kette anschließend montiert.
Für den letzten Schliff habe ich erst die restlichen Kleinteile wie das Abschleppseil, die Ösen dafür sowie die Antenne angebracht. Danach bekam der Ferdinand noch ein paar Sprenkel mit einer Farbgipsmischung.          



Fazit

Der Kursker Ferdinand von Dragon ist ein sehr schöner Bausatz, der zu überzeugen weiß. Hier kann man ohne Bedenken zugreifen. Einigster Wermutstropfen ist die die verzogene Wanne, aber auch dies kann keine große Hürde darstellen, um ein ansprechendes Modell zu bauen. Sehr löblich ist das viele Zubehör, das Dragon beilegt. Ganz anders als bei den Bausätzen der neuen Generation. Für Anfänger sowie Fortgeschrittene absolut empfehlenswert, leider ist dieser Bausatz nur noch selten zu bekommen.



Preis / Leistung: ***** Paßgenauigkeit: *****
Detailierung: ***** Schwierigkeitsstufe: *****


© 11/2015

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