Krupp Protze MG151/20 Drilling




 

Das Original

Nachdem die Krupp-Protze bereits Gegenstand zahlreicher Berichte und Veröffentlichungen war, nehme ich davon Abstand, deren Entwicklungsgeschichte zum x-ten Male zu wiederholen. Die recht robusten Fahrzeuge blieben, soweit sie nicht durch Feindbeschuss oder technische Probleme ausfielen, in manchen Fällen durchaus bis zum Kriegsende im Einsatz.

Das Vorbildgefährt unseres Berichtes dürfte vermutlich durchaus 1944 oder später noch im Dienst gestanden haben, worauf die Ausrüstung mit dem 2 cm Drilling schließen lässt. Der mitgeführte Anhänger war leider nur teilweise auf dem Foto sichtbar, so dass seine Konstruktion nicht vollständig zu erkennen war. Mit Sicherheit handelte es sich jedoch um einen Einachs-Anhänger, dessen Seitenwände aus Holzbrettern bestanden. Ob diese mit Drilling ausgestattete Krupp-Protze ein einzelner Umbau war oder mehrere Fahrzeuge in dieser Weise umgerüstet wurden, konnte nicht ermittelt werden.

Bedauerlicherweise war auch keine Fotographie des Mannschaftsraumes und dem Unterbau der Sockellafette des Drilling  zu finden.  Erkennbar ist allerdings, dass das Geschütz nicht mit den Schulterstützen ausgestattet gewesen ist, die bei einem Teil der MG 151 angebaut waren.

Die Bausätze

Vorab zu beachten: Für dieses Bauvorhaben ist nur der "alte" Krupp-Bausatz mit Artikelnummer 35104 zu verwenden. Das Set des eigentlichen Protz-Kraftwagens mit 3,7 cm Pak 36 geht dafür leider nicht. Nun ist ja der Bausatz der Krupp-Protze schon ein Veteran im Tamiya-Sortiment; die Formen stammen immerhin aus dem Jahre 1978. Natürlich sind sie nicht mehr auf dem Stand der Zeit aber dieser Modellbausatz ist noch immer der einzige dieses Fahrzeugs.

Der Umbausatz von Schatton beinhaltet alles was man für den Umbau benötigt - der Flakdrilling aus Resin mit gedrehten Metallrohren, der Unterbau und der Einachsanhänger. Zur Ergänzung von Details liegen auch noch PE Teile bei.

Der Bau

Der kleine LKW wurde praktisch weitgehend nach der Bauanleitung zusammengesetzt, verfeinert durch die teilweise Verwendung eines Fotoätzteilesets von Royal-Model. Zusätzlich spendierte ich dem Krupp noch neue Reifen aus dem Sortiment des gleichen Herstellers. Sie weisen ein wesentlich besser detailliertes Profil auf und die Reifenunterseite ist an den Standflächen abgeflacht mit dem dadurch typischen Wulst, der bei einem stehenden Fahrzeug zu sehen ist.

Der Flakdrilling aus Resin von Schatton ließ sich ohne irgendwelche Probleme zusammenbauen. Hier lohnte sich, dass Schatton zwischenzeitlich die Formen neu überarbeitet hat und somit die Qualität der Gussteile sehr zu loben war. Nacharbeiten fielen dabei so gut wie keine an. Besonders durch die gedrehten 2 cm-Rohre aber auch das fotogeätzte Visier gewinnt das Flakgeschütz ganz erheblich und ist sehr empfehlenswert.

Nachdem kein Bild der „Ladefläche“ mit dem darauf montierten Drilling zu finden war, kann bis zum Auftauchen eines Fotonachweises der Umbau zum „Waffenträger“ beim folgenden Schritt nur als „widerlegbare Vermutung“ angesehen werden. Andere Umbau-Ideen sind also genauso richtig oder falsch, wie meine.

Durch Vergleiche des Gesamtaufzugs unseres „Luftschutz-Krupps“ mit dem Foto durch Nachstellen der Szene und einer Vergleichsfigur wurde schnell offenbar, dass es nicht genügt, die Sockellafette des MG 151 einfach auf den Pritschenboden zu kleben. Der Drilling säße dann zu tief und wäre vor allem mit den drei Munitionskästen nicht um 360 Grad drehbar gewesen. Folglich musste eine Plattform eingebaut werden. Einfach ein paar Bretter quer genagelt hätten den beim Feuern wirkenden Kräften nicht standgehalten. Der Unterbau musste also eine gewisse Stabilität aufweisen, so dass meiner Meinung nach nur eine Konstruktion aus Eisen-/Stahlprofilen und einer darauf befestigten Metallplatte, auf die die Sockellafette montiert war, infrage kommt.

Diesen Unterbau, der zwischen die Sitzkästen eingeschoben und mit deren Wänden verbolzt dargestellt ist, fertigte ich aus H- und U-Profilen des Evergreen-Sortiments sowie Bolzen von MR-Modellbau. Die darauf befestigte Platte habe ich genau an die Höhe der Sitzbänke angeglichen, damit sie mit diesen eine Ebene bildet. Ob das auch beim Original so gehandhabt wurde, bleibt spekulativ. Die Rückstoßkräfte wurden jedenfalls durch den Unterbau auf den Pritschenboden bzw. das Fahrgestell abgeleitet, so dass die Bänke, wenn sie denn erhalten blieben, nicht beschädigt worden sein dürften. Solange es keinen Nachweis der Konstruktionsart gibt, kann das jeder halten, wie er beliebt. Das gilt gleichermaßen für die Frage, ob die Kampfplattform nun die gesamte Länge der Pritsche besaß oder – wie hier dargestellt – nur einen Teil davon einnahm. 

Dem Fahrerbereich spendierte ich noch ein geschlossenes Verdeck sowie die aus Segeltuch gefertigten „Türen“ auf Fahrer- bzw. Beifahrerseite. Die Komponenten dazu stammen aus dem Angebot des französischen Herstellers Blast-Model. Von dem Verdeck wurde das Vorderteil für den Fahrerraum abgesägt und erhielt aus einer Zweikomponenten-Epoxidmasse eine neue Rückwand, in die Faltenwurf und Struktur einer Plane eingearbeitet wurden.  Das Heckfenster, im Original aus Klarsichtkunststoff bestehend, entstand aus durchsichtiger Plastikfolie.

Den kleinen Anhänger fertigte ich komplett im Eigenbau. Die Truppe verwendete damals häufig nicht genormte, ggf. auch requirierte oder selbst gebaute Hänger, um zusätzliche Munition, persönliche Ausstattung usw. mitführen zu können. Die Seitenwände des Aufbaus entstanden aus Plastikplatten, in welche die Bretterstruktur sowie die Holzmaserung eingraviert wurden. Deichsel und Chassis sind aus U-Profilen von Evergreen als einfach gehaltene Konstruktion zusammengesetzt.

Boden und Deckel bestehen ich aus dünnem Plastik. Der Deckel wurde noch mit Scharnieren und einer Verriegelungsvorrichtung versehen. Räder und Kotflügel stammen aus dem Dragon-Bausatz der „schweren Panzerbüchse“ 41 und wurden mit geringem Aufwand für die neue Verwendung angepasst. Leider hat sich später herausgestellt, dass die Räder im Größenverhältnis zwar gut zum Anhänger passen, jedoch beim Anhängen an das Zugfahrzeug fast schon wieder zu klein sind und der angekoppelte Hänger relativ schräg steht.  

Bei dem Umbausatz von Schatton wird es möglich sein, den Anhänger geöffnet (auch innen mit entsprechender Bretter-/Holzstruktur versehen) dazustellen und er ist mit größeren Rädern versehen.                      


Bemalung/Alterung

Krupp-Protze und Anhänger wurden mit Dunkelgelb (MM 2095) grundiert. Dem Vorbild entsprechend habe ich unregelmäßige Tarnflecken mit Dunkelgrün (MM 2069) aufgetragen.

Die weitere Alterung erfolgte in der von mir bevorzugten und bereits häufig beschriebenen Weise mit diversen Produkten der  AK-interactive S.L. sowie Ammo of MIG mit diversen Farbfiltern, Waschen, Lackabplatzern, blanken Metallstellen usw.

Beim Anhänger wollte ich aus Kontrastgründen kein Tarnmuster auftragen und die Seitenwände aus gealtertem Holz darstellen. Also habe ich die dunkelgelbe Farbe zuerst mit dem Pinsel nicht voll deckend mit Erdfarbe (R-47) übermalt. Danach brachte ich die unmittelbar zuvor neu erworbene „Wash for wood“ (AK 263) auf, welches nach einigermaßen eingehaltener Trocknungszeit mit „Filter for brown wood“ (AK 262) abgetönt wurde. Der Erfolg war verblüffend und das Ergebnis traf exakt meine Vorstellungen.

Fazit

Ein  interessanter Umbau, der nur zu bereitwillig seinen Weg in meine Sammlung gefunden hat. Man darf sich schon auf den Umbausatz von Schatton freuen. Ich bin mir sicher, dass diese ausgefallene Kombination von Krupp-Protze, Flakdrilling und Anhänger künftig durchaus die eine oder andere Sammlung bereichern wird.     



Krupp Protze:

Preis / Leistung: ***** Paßgenauigkeit: *****
Detailierung: ***** Schwierigkeitsstufe: *****

Schatton Umbausatz:

Preis / Leistung: ***** Paßgenauigkeit: *****
Detailierung: ***** Schwierigkeitsstufe: *****

© 09/2014 Volker Andorfer

5225 Leser des Bauberichts seit dem 30.09.2014



zurück zur Übersicht