Flakpanzer IV "Wirbelwind"


 

Das Original

Vorweg gesagt: Auf das Basispanzerfahrzeug des Panzerkampfwagen (PzKw) IV und die Entwicklung des 2 cm Flakvierling 38 wird an dieser Stelle nicht eingegangen, da darüber in früheren Berichten sowie in Internet nebst der einschlägigen Literatur bereits umfangreiches Material veröffentlicht wurde und dies den Rahmen des Berichts sprengen würde. Wir bitten um Verständnis.

Nachdem man sich an verantwortlicher Stelle eigentlich schon vor Beginn des Krieges darüber klar war, dass die bis dahin hauptsächlich vorhandenen leichten Flakgeschütze mit Kaliber 2 cm bzw. 3,7 cm für einen wirksamen Truppenluftschutz im Vergleich zur Entwicklung der Flugzeug- und Waffentechnik nicht mehr lange den Anforderungen genügen würden, hatte die Heeresführung es doch vernachlässigt, für einen geeigneten und umfassenden Luftschutz zum Begleiten gepanzerter Verbände zu sorgen.

Spätestens ab dem Jahreswechsel 1942/43, als an der Ostfront immer mehr moderne und vor allem stark gepanzerte russische Schlachtflieger auftraten, wurde die Problematik des Luftschutzes für Panzer- und Sturmgeschützeinheiten immer drängender. Auch die Erfahrungen in Nordafrika und später an der Südfront in Italien verdeutlichten das Dilemma:

Die Wehrmacht verfügte über keine bzw. zu wenige geländetaugliche Flak-Selbstfahr-lafetten, von „richtigen“ Flakpanzern ganz zu schweigen, die den Panzerverbänden im Gelände folgen und wirksamen Schutz vor Schlachtfliegern bzw. Jagdbombern geben konnten.

Erste Versuche mit leichten Vollkettenfahrzeugen wie bspw. der sogenannte „Flakpanzer I“ erwiesen sich als wenig geeignet, und auch der Flakpanzer 38 (t), von dem 1943/44 immerhin 141 Exemplare gebaut worden waren, genügte hauptsächlich wegen der zu geringen Bewaffnung mit nur einer 2 cm Flak 38 – wie die Erfahrungen in ersten Linie an der Invasions- aber auch der Süd- bzw. Ostfront zeigten - keineswegs den Ansprüchen.

Das Heereswaffenamt, hier In. 6, erhielt Anfang 1944 von Guderian die Zuständigkeit für die Entwicklung geeigneter Flakpanzer, die den Panzer- und Sturmgeschützverbänden wirksamen Schutz bieten konnten, übertragen. Hier war man sich schnell darüber im Klaren, dass eine völlige Neukonstruktion wegen der bereits vorherrschenden Überlastung der Rüstungsindustrie einfach nicht machbar war und deshalb auf vorhandene Panzerfahrge-stelle zurück gegriffen werden musste. Dafür bot sich der alt gediente Panzer IV an, von dem für eine Umrüstung hauptsächlich Reparaturfahrgestelle verwendet werden sollten.

In der Zwischenzeit hatte der Werkstattzug der Flakabteilung des SS-Panzerregiments 12 der 12. SS-Panzerdivision in Eigenregie eine drehbare 2 cm Vierlingsflak 38 auf eine PzKW IV – Wanne aufgebaut und später mit einem Panzerschutz versehen, der in seiner Form als „Urvater“ des späteren „Wirbelwind“ gelten darf (Fotos eines solchen Fahrzeuges dieser Einheit mit Turmpanzerung – es sollen etwa 3 Stück umgerüstet worden sein – sind im neuen Panzerwrecks Nr. X auf Seite 96 abgebildet).

Bei dieser Konstruktion war der Drehturm des PzKW entfernt und die Flak auf einer von Trägern gehaltenen Unterlafette direkt drehbar in den Turmdrehkreis eingebaut worden. Das Geschützschild kam dabei in Wegfall, an der Oberlafette mussten ein paar kleine Änderun-gen vorgenommen werden.

Leutnant Graf von Seherr-Thoss wurde im Frühjahr 1944 mit der Untersuchung dieser Truppenumbauten beauftragt und legte gegenüber den verantwortlichen Stellen eine positive Einschätzung mit der Empfehlung des Nachbaus vor.

Anfang Juni 1944 war die Aufstellung des Kommandos „Ostbau-Sagan“ (in der Stadt Sagan, Schlesien) befohlen worden, mit dem Auftrag, zunächst 80 Exemplare des nunmehr mit dem Suggestivnamen „Wirbelwind“ bezeichneten Flak-Panzerfahrzeuges auf Reparaturfahrge-stellen des PzKW IV umzubauen. Leutnant Graf von Seherr-Thoss war dabei für die Fertigungsleitung verantwortlich. Die dazu nötige technische Ausstattung wurde von der Dienststelle Wehrmacht-Kraftfahrwesen des OKW beigesteuert. Ostbau-Sagan selbst war in erster Linie eine Truppenwerkstatt der dort stationierten Panzerersatz- und Ausbildungs-abteilung 15 mit einer Personalstärke von etwa 80 Mann.

Bereits im Juli 1944 waren die ersten 17 „Wirbelwind“ fertig gestellt, hauptsächlich auf PzKW IV-Wannen der Ausführung H bzw. einigen G, die schnellstmöglich den Panzereinheiten zugeführt wurden. Diese frühen „Wirbelwinde“ waren fast alle mit einem Zimmerit-Anstrich gegen Magnethaftminen versehen. Im Dezember 1944 lieferte Ostbau-Sagan das 100. Exemplar aus. Von Seiten des OKW wurden weitere 100 „Wirbelwind“ bestellt. Aufgrund der sich entwickelnden negativen Kriegslage musste der Betrieb im Laufe des Januar 1945 eingestellt und nach Teplitz-Schönau im Sudetengau verlegt werden. Dort sollen nach Wiederaufnahme der Fertigung noch etwa 5 „Wirbelwind“ umgerüstet worden sein. Nach den bisherigen Veröffentlichungen sind insgesamt 122 Stück dieses Flakpanzers – zuletzt auf PzKW IV-Wannen der Ausführung J (auch Neufahrzeuge) umgebaut worden. Allerdings gibt es auch Quellen, in denen eine Gesamtzahl von unter 100 Fahrzeugen angegeben wird.

Ostbau-Sagan produzierte daneben noch den mit einer 3,7 cm Flak 43 ausgestatteten Flakpanzer IV „Ostwind“, ca. 50 „Jaboschreck“ 3 cm Flak 103/38 auf Steyr 2000 A, 1145 Pantherhochsitze (erhöhter Sitz für die Panzerfahrer) sowie Prototypen des 3 cm Flakvierlings „Zerstörer 45“, des 3,7 cm Flakzwillings (horizontale Anordnung der Rohre) 44 „Ostwind II“ und MG-Dachlafetten für Dachluken an Radfahrzeugen zur Tieffliegerabwehr.       


Der Bausatz

Dragon hat seinen „Wirbelwind“ auf einer H-Wanne des PzKW IV aufgebaut. Dies ermöglich-te mir eine Ausstattung mit Zimmerit-Anstrich, den aktuell dazu der polnische Hersteller Atak für den Markt bereitstellte. Beim Öffnen der Packung freut man sich nicht nur über die Einzelgliederkette und eine stattliche Anzahl von Komponenten für die Ersatzteilkiste sondern vor allem über die gelungene Umsetzung des korrekten Turmauf- und –unterbaus.


Der Bau

Folgt man der Bauanleitung, gestaltet sich die Montage der Unterwanne, des Laufwerks usw.  völlig unspektakulär. Die Wahlmöglichkeit besteht beim Laufwerk zwischen „alten“ geschweißten bzw. den gegossenen Leiträdern. Die Paßgenauigkeit ist sehr gut, Nacharbeiten fielen bei meinem Bausatz nicht an. Bevor die Oberwanne montiert werden kann, muß die „Inneneinrichtung“, sie beschränkt sich auf den direkt unter dem Turmdrehkranz befindlichen Bereich nebst Motorraum-Trennwand und der auf Trägern gelagerten Unterlafette des Flakgeschützes, eingebaut und lackiert werden. Dabei kann man sich darüber streiten, ob man die Unterlafette und deren Träger nun Dunkelgelb oder bspw. in rostroter Grundierfarbe oder wie auch immer darstellen will. Ich habe mich für dunkelgelbe Farbe entschieden – ob das stimmt, konnte ich nicht recherchieren.  

Mehr als diese angedeutete Inneneinrichtung ist m. E. nicht zwingend nötig, da der Blick ins Innere nach Einbau des Flak-Vierlings sowieso weitestgehend verwehrt ist.

Nachdem die Oberwanne fertig aufgesetzt war, trug ich das Atak-Zimmerit auf, und zwar vor dem Anbau des ganzen „Kleinteil-Gerödels“.

Um es kurz zu machen: Der Zimmeritauftrag gestaltete sich erfreulich unproblematisch, da Atak hier wirklich sehr gute Arbeit geleistet hat. Die hauchdünnen Komponenten können vorsichtig mit einem scharfen Skalpell aus der sie umgebenden Fischhaut geschnitten werden, nachdem man die Resinfolie zuvor mit Seifenwasser zur Entfernung von Formentrennmitteln usw. gereinigt hat. Wer meint, kann die Rückseite der Zimmeritteile leicht mit feinem Schleifpapier anrauhen, ich habe darauf verzichtet.

Vor allem die größeren Seitenteile für die Wannenhälften sollten zunächst „trocken“ angepasst werden, wobei – wie bereits erwähnt – die Paßgenauigkeit sehr gut ist und deshalb Nacharbeiten an den Resinteilen kaum anfallen. Die großflächigeren Komponenten habe ich zunächst nach erfolgter Paßprobe an einem Ende auf den darunter liegenden Plastikteilen aufgeklebt und dann Stück für Stück mit dünnflüssigem Sekundenkleber befestigt. Dadurch sind ggf. auch noch kleine Korrekturen bei der Platzierung möglich.

Der Anbau der diversen Kleinteile geht ohne besondere Vorkommnisse vonstatten. Die Bauanleitung zeigt ganz gut, wo was hingehört und welche Plastikteile ggf. gegen geätzte ausgetauscht werden können. Die Stabantenne links am Heck habe ich allerdings durch ein gedrehtes Teil aus dem Sortiment von Schatton-Modellbau ausgetauscht und am unteren Ende mit einer Flügelschraube versehen, weil das Drehteil einfach besser aussieht und stabiler ist.

Mit großer Spannung erwartete ich das Zusammenkleben der Turmhälften. Für Plastikteile sind diese außerordentlich dünnwandig gefertigt – Dragon hat hierbei hervorragend gearbeitet. Ja, und auch hier überzeugte mich die Paßgenauigkeit der Bausatzteile absolut – es gab keinerlei Bedarf von Nacharbeiten.

Das gleiche gilt übrigens für die Montage des Geschützes, bei dem ich aber dann ebenfalls einen Austausch der Kanonenrohre gegen gedrehte Teile aus dem Hause Schatton vorgenommen habe.

Die Dragonteile sind zwar gut, aber gegen die Schatton-Produkte chancenlos. Jedoch gilt auch hier wiederum, dass dies jeder für sich selber entscheiden soll.

In der Bauanleitung, Stufe 14, stellte ich noch einen kleinen Fehler bei der Nummerierung fest: Statt Teile A 38 und 39 handelt es sich tatsächlich um die Nummern A 55 und 56.

Das Geschütz habe ich übrigens ebenso wie den Turminnenraum vor dem Einbau in diesen komplett lackiert und gealtert, wobei ich mich hier auf eine ausschließlich dunkelgelbe Farbgebung beschränkte. Lediglich die 2 cm Flakrohre wurden mit dunkler Metallfarbe dargestellt, weil sie in der Realität häufig brüniert waren.

Zuletzt noch ein Wort zu den Einzelgliederketten, den sog. „Magic Tracks“. Diese werten meines Erachtens das Modell erheblich auf. Einziger Wermutstropfen war, dass fast an jedem einzelnen Kettenglied zwei Auswerferstellen entfernt werden mußten. Dennoch ist mir das allemal lieber, als die gummiähnlichen Ketten aus DS-Material o. dgl. Bleibt zu hoffen, dass Dragon die „Magic Tracks“ auch weiterhin den Bausätzen beigibt.              

Bemalung/Alterung

Grundsätzlich gilt für die Lackierung Dunkelgelb mit oder ohne Tarnmuster bzw. Wintertarnung.

Ich habe mich für eine dunkelgelbe (MM 2095) Lackierung, auf die unregelmäßig grüne (MM 2069) und schokobraune (MM 2096) Tarnstreifen aufgetragen wurden, entschieden. Vorbildfotos entsprechend trug ich die Tarnmuster auch auf den Seitenwänden der Unterwanne und den Reservekettengliedern auf. 

Das Altern bewerkstelligte ich durch Unterlegen der Kanten und Vertiefungen mit dunklen Farbpigmenten (ähnlich Pastellkreide, aber farbintensiver) der Firma Kremer (Eisenbahnbedarf) bzw. MIG sowie nach Auftrag einer Schicht matten Klarlacks (Xtra-Color) nebst 48 Stunden Trocknungszeit „Waschen“ mit stark verdünnter, schwarz-brauner Ölfarbe.

Das Modell wurde im Bereich des Chassis, der Kotflügel sowie der Fahrerkabine noch mit braun-grauer Pastellkreide leicht „verstaubt“.

Zuvor habe ich noch einige Kratzer, Lackabsplitterungen angebracht, um einen etwas abgenutzten Eindruck unseres Flakpanzers zu vermitteln. Rostspuren sind zwar auch zu finden, jedoch in nur sehr begrenzter Zahl. Die Lackierung war häufig solange, wie das Panzerfahrzeug nicht stärkere Beschädigungen erlitten hatte, aufgrund der relativ kurzen Einsatzdauer verhältnismäßig gut in Schuß. Dies kann und soll aber jeder so für sich gestalten, wie es ihm gefällt.

Bei den Beschriftungen beschränkte ich mich lediglich auf die Balkenkreuze, da Turmnummern bei diesen Flakpanzern IV außerordentlich selten zu finden waren.

Fazit

Der Bau dieses Modells hat mir großen Spaß bereitet. Insbesondere gefiel mit die Detaillierung und die ausgezeichnete Paßgenauigkeit. Dragon hat ja bereits den „Ostwind“ mit 3,7 cm Flak 43  angekündigt, der hoffentlich im Vergleich zum Trumpeter-Bausatz die Merkmale der Serienfertigung aufweist. Wir dürfen hoffen, dass uns Dragon nicht mehr allzu lange darauf warten lässt.

 

Preis / Leistung: ***** Paßgenauigkeit: *****
Detailierung: ***** Schwierigkeitsstufe: *****

Literaturhinweise (Auswahl):

- Nuts & Bolts Nr. 13: Flakpanzer IV Wirbelwind (SdKfz. 161/4) und Ostwind - Detlev Terlisten
-  Motorbuchverlag: Deutsche Flakpanzer bis 1945 - Walter J. Spielberger
- Panzer Tracts Nr. 12: Flak Selbstfahrlafetten und Flakpanzer - Th. L. Jentz/H. L. Doyle
- Podzun-Pallas-Verlag: Die leichte und mittlere Flak 1906 – 1945 sowie: Flak im Einsatz - Werner Müller
- Ground Power No. 065 10/1999: German Flakpanzer
- Motorbuchverlag: Enzyklopädie deutscher Waffen 1939 – 1945 - T. Gander/P. Chamberlain
- Motorbuchverlag: Kfz. und Panzer der Reichswehr, Wehrmacht und Bundeswehr - Werner Oswald 

© 03/2010 Volker Andorfer

8587 Leser des Bauberichts seit dem 20.03.2010

zurück zur Übersicht