CV 9040B

 

Das Original

Die Combat Vehicle 90 (CV 90) oder Stridsfordon 90 (Strf 90) gehören zu einer modernen Panzerfamilie des Rüstungskonzerns BAE Systems AB. Entwickelt für die Einsatzbedürfnisse Schwedens ist die Fahrzeugfamilie international auch in Dänemark, Norwegen, den Niederlanden, der Schweiz und Finnland im Einsatz.

Die Entwicklung des CV 90 begann Anfang der 1980er-Jahre, um die neuen Anforderungen der schwedischen Armee zu erfüllen. Die eingeleitete Truppenreduzierung um 10.000 Soldaten und eine Neuordnung des Heeres sollte durch eine verstärkte Mechanisierung der Streitkräfte aufgefangen werden. Verlangt wurde eine Familie von Fahrzeugen, die über eine hohe strategische und taktische Mobilität sowie Luftverteidigungs- und Panzerabwehrfähigkeit bei möglichst hoher Überlebensfähigkeit verfügen sollte. Eine Instandsetzungsfreundlichkeit sowie ABC-Schutz war zwingend erforderlich. Die neuen Schützenpanzer sollten in der Lage sein, gegnerische Schützenpanzer in Duellsituationen zu vernichten.

Der Bausatz

Im Karton des CV 9040B finden sich 8 Spritzlinge, dazu jeweils die Oberwanne und Unterwanne, Polycaps, eine kleine Platine mit PE Teilen, Vinylketten, ein Metallrohr sowie ein kleiner Decalbogen.
Die Bauteile machen einen durch die Bank weg einen sehr guten Eindruck. Die Detaildarstellung kann man nur als sehr gut gelungen betrachten. Neben zwei schönen Vinylketten, welche leider etwas zu lang geraten sind, finden sich auch Einzelgliedketten! Diese weisen zwar kleine Auswerferstellen auf - aber so hat der Modellbauer halt eine optionale Möglichkeit. Beachtlich ist die Beigabe eines gedrehten Metallrohres für die 40mm Kanone. Diese liegt zwar auch in Plastik bei, aber in Metall sieht sie doch erheblich besser aus. Es sind zwar beide Turmluken und sämtliche Klappen in der Oberwanne offen darstellbar, leider fehlt die entsprechende Inneneinrichtung.
Der PE Bogen bringt ein paar weitere schöne Details aufs Modell, wie z.B. die fein geätzten Lüftergitter fürs Motordeck. Zusätzlich liegen zwei Figuren bei, diese sind zwar etwas mager detailliert, aber brauchbar. Das Decalsheet enthält nur recht spärliche Markierungen, diese sind aber sehr ordentlich ausgeführt. Zudem weisen die meisten der schwedischen CV9040B auch nur recht wenige, unauffällige Markierungen auf.

Der Bau

Es geht, wie bei fast allen gepanzerten Fahrzeugen, los mit der Montage von Unterwanne, Fahrgestell und den diversen Anbauteilen. Die Baustufen 1 – 5 sind sehr übersichtlich und klar gegliedert, der bau geht schnell und vollkommen problemlos voran.

Ab Baustufe 5 wich ich von der Bauanleitung ab. Da bei meinem Bausatz das Wannenoberteil einen sehr starken, deutlich erkennbaren, Verzug aufwies verklebte ich zunächst nur den Rahmen der Hecktür, Bauteil E51, mit dem Wannenunterteil. Danach setzte ich das Wannenoberteil auf, verklebte es und fixierte das Ganze bis zur vollständigen Aushärtung des Klebstoffes mit mehreren Gummibändern.

Nachdem diese Operation geglückt war und das Wannenoberteil verzugsfrei auflag ging ich zurück zu Baustufe 5 und brachte die weiteren Anbauteile gemäß Anleitung an. Für die Skihalterung links neben der Hecktür liegen wahlweise Photoätzteile bei. Für die Anwendung des geätzten Gitterrostes werden statt dem Bauteil E46 die Teile E45 und PE2 verwendet. Dieser Gitterost macht optisch mächtig was her! Bei der großen Schneeschaufel E59 taucht das einzige Problem während der gesamten Bauphase auf. Nachdem die untere Halterung E47 verklebt ist passt die Schaufel nicht in die Halterung. Das Schaufelblatt lässt sich nicht weit genug in die Halterung E47 einschieben und der Griff der Schaufel steht daher weit über die obere Halterung hinaus. Daher kürzte ich das Schaufelblatt mittels Schleifpapier. Gleichzeitig schliff ich das Schaufelblatt etwas dünner. Jetzt konnte das Schaufelblatt tiefer in die untere Halterung eingesteckt werden. Der Schaufelgriff passte danach problemlos in die obere Halterung und alles war wieder schön... Die Anleitung bietet die optionale Öffnung der großen Tür am Panzerheck an. Aus meiner Sicht vollkommen unsinnig. Die Inneneinrichtung fehlt komplett, es würde nur ein Blick ins Leere dabei rauskommen… Es sei denn der Zubehörmarkt hat in naher Zukunft eine Inneneinrichtung für dieses Modell im Angebot.

In Baustufe 10 endet die Montage der Wanne. Bis hierhin lief der gesamte Bau völlig problemlos und ohne Fragen oder Unklarheiten ab. Die Anleitung ist wirklich vorbildlich gestaltet, die Zeichnungen sind übersichtlich und nicht mit zu vielen Teilen überladen.

Die Montage des Turmes beginnt in Baustufe 11. Auch hier kommen keine Problemchen auf. Lediglich die beiden, seitlich am Turm angebrachten Taschen (Bauteile D12 und D13) gefielen mir überhaupt nicht. Sie sehen dem Original nur sehr bedingt ähnlich, wirken eher wie steife Plastikbehälter. Abhilfe schaffte hier das sehr schöne und günstige Zubehörset von Legend, LF1213, CV9040 Stowage Set. Hier sind sehr gut gelungene Turmtaschen und zusammengerollte Planen enthalten mit denen sich das Modell optisch deutlich aufwerten lässt. Ein wenig Anpassungsarbeit ist dann am Ersatzkettenglied D4 nötig um es sauber unter den Planen anliegen zu lassen. Zusätzlich spendierte ich dem Turm noch zwei Antennen aus 0,3mm Federstahldraht und zwei gedrehte Messing – Antennensockel aus dem Hause Voyager. Die Bordkanone aus gedrehtem Aluminium macht einen hervorragenden Eindruck und lässt sich ebenfalls problemlos ansetzen, ausrichten mit Sekundenkleber fixieren.

Nachdem der Turm dann komplettiert wurde soll gemäß Anleitung in Baustufe 18 die Hochzeit von der Ober-, der Unterwanne, die Montage der Ketten und die Anbringung der Kettenschürzen erfolgen. Abschließend setzt man noch den Turm auf. Da ich ja bereits zu Beginn von der Anleitung abwich habe ich auch die Ketten, wie auf den Bildern zu sehen, bereits in einem früheren Baustadium aufgezogen. Hierzu folgte zunächst die Laufwerkbemalung, -alterung und Verschmutzung. Da die Kette hinter den Kettenblenden E64 und E66 versteckt wird reicht aus meiner Sicht die Gummikette völlig aus. Außerdem war ich zu faul die Auswerferstellen an den Einzelgliedern zu verspachteln. Die Gummiketten sind etwas zu lang, es genügt aber eines der Glieder von der Kette abzuschneiden damit sie einen realistischen Durchhang bekommt. So endet der Bau dann nach insgesamt 19 Baustufen. Schwierigkeiten oder Unklarheiten gab es nicht, alles ging reibungslos, einfach und schnell von der Hand.

Die beiden beiliegenden Figuren gefallen mir persönlich nicht. Ich will mich jetzt nicht als besonders anspruchsvoll bezeichnen, die Fertigungsqualität dieser beiden Plastikmännchen ist jedoch weit vom Rest des Bausatzes entfernt. Ich wollte unbedingt zwei Figuren einsetzen und wühlte daher so lange in meiner großen Grabbelkiste herum bis ich die passenden Bauteile gefunden hatte. Mit Körpern von Verlinden, Armen von Helo-Miniatures und zwei Köpfen von `keine Ahnung wo die her sind` bastelte ich mir die Figuren zusammen, passte die Körperhaltung der Figuren an ihre Plätze in den Luken an. Es war zwar mit ein wenig Fummelei und Spachtelei verbunden, doch irgendwann saßen die Figuren so in den Luken wie ich es mir vorgestellt hatte. Die Sprechkabel und Helmmikrofone wurden aus Draht gefertigt. Dabei machte ich leider einen kleinen Fehler. Ich brachte die Mikrofone und die Kabel rechts am Helm an. Im Original sind sie aber links montiert.

Ach, das ist keinem der Leser aufgefallen? Das beruhigt mich ungemein ... Ich habe es auch erst viel zu spät bemerkt und war zu faul das wieder zu ändern. Insgesamt bin ich mit den Figuren zufrieden. Sie machen so schon erheblich mehr her als die Bausatzfiguren.


Bemalung/Alterung

Ich benutze seit geraumer Zeit nur Produkte von Vallejo. Ich bin von dem glatten und seidenmatten Oberflächenfinish der Farben aus dem Model Air Sortiment echt begeistert. Und so kamen die Farben auch an diesem Modell zur Anwendung. Zunächst grundierte ich das gesamte Modell in Mattschwarz MA057. Auf den Bildern zeige ich die Bemalungsstufen nur an der Wanne, analog dazu habe ich das gleiche Verfahren und die Vorgehensweise auch für den Turm verwendet.

Nachdem die schwarze Grundierung vollständig ausgehärtet war sprühte ich Vallejo MA006 Camouflage Light Green wolkig, nicht voll deckend und frei Hand auf. Nachdem auch dieser Farbauftrag durchgetrocknet war folgte eine Schicht Mattweiß MA001. Die weiße Wintertarnung wird auf den hellgrünen Tarnflecken aufgetragen. Das Weiß dunkelte ich mit ein paar Tröpfchen Sand Yellow MA028 ab um der schneeweißen Farbe die Leuchtkraft zu nehmen. Hierbei erfolgte der Auftrag ebenfalls nicht voll deckend und mit unterschiedlicher Intensität. Ich wollte nämlich eine ältere, bereits leicht abgenutzte und schon etwas verschlissene Wintertarnung darstellen. Nun kam wieder eine Trocknungsphase.

Nachdem ich die weißen Flecken mit einfachem, preisgünstigen, Malerkreppband nach Fleckentarnplan abgeklebt habe brachte ich die dunkelgrüne Tarnfarbe auf. Hierfür nutzte ich Vallejo Camouflage Green MA022 unter Zugabe einiger Tropfen Sand Yellow MA028. Und wieder folgte eine Trocknungsphase. Danach klebte ich die dunkelgrünen Flecken ab. Was übrig blieb sind die schwarzen Tarnflecken. Sie wurden mit Vallejo Mattschwarz MA057 leicht aufgehellt lackiert.

Anschließend konnte das gesamte Klebeband entfernt werden und dann kam der Aha-Effekt. Es passte nicht überall so wie ich mir die Lackierung vorgestellt hatte. Gewisse Abweichungen vom Tarnplan waren vorhanden und mussten nachgebessert werden.

Allerdings scheinen es die Schweden mit dem Tarnplan auch nicht so ganz genau zu nehmen. Beim Studium von Vorbildfotos fielen mir geringe, aber auch sehr deutliche Abweichungen vom Tarnplan auf. Selbst bei Fahrzeugen innerhalb eines Regimentes sind Unterschiede im Fleckentarnplan unübersehbar. Das erleichtert uns als Modellbauer natürlich die Lackierung ungemein. Und wenn der Tarnplan dann nicht 100%ig exakt wiedergegeben wurde so entspricht das durchaus dem realen Vorbild.

Nach erfolgter Korrektur des Tarnanstrichs begann ich mit der Bemalung der Details wie dem Außenbordwerkzeug und der Beleuchtung. Danach folgte ein erstes Washing. Dieses Washing führte ich in einem schwarz-braunen Farbton aus da ein reines Schwarz zu den weißen Tarnflecken in einem zu kräftigen Kontrast stehen würden. Das Washing wurde als reines Detailwashing ausgeführt. Danach setze ich zwei Filter in hellbraun. Der erste Filter verändert die Farben nur in sehr geringem Umfang. Nach seiner vollständigen Trocknung wurde der zweite Filter aufgebracht. Nun trat der gewünschte Effekt, nämlich eine leichte Vereinheitlichung der Oberfläche ein.

Anschließend hellte ich die Kanten der Details durch ein Drybrushing in einem grau-grünen Farbton auf. Im Bereich der weißen Tarnflecken sollte stellenweise die darunter liegende hellgrüne Tarnfarbe wieder zum Vorschein kommen. In diesen Bereichen nutzte ich eine hellgrüne Ölfarbe um den gewünschten Effekt zu erreichen. Einige kleine Schrammen und Kratzer wurden direkt per Ölfarbe und hauchdünnem Pinsel aufgetragen. Aus dem Sortiment von AK-Interactive bediente ich mich noch mit Winter Streaking Grime, Earth Effects und Dust Effects um einige Schmutzschlieren aufzubringen. Die Dreckspritzer im unteren Fahrwerksbereich entstanden ebenfalls aus diesen „Dreckbrühen“. Dazu tauchte ich einen weichen Pinsel in die Flaschen und benetzte ihn mit der Flüssigkeit. Anschließend wurde der Pinsel dicht ans Modell gehalten und mit einem Luftstrahl aus der Airbrush gelangte der Dreck auf das Modell... Ein wenig Übung gehört dazu, ein wenig Vorsicht auch. So ganz einfach lässt sich der Schmutzauftrag nämlich nicht steuern, manchmal gelangt der Dreck dahin wohin er gar nicht hin soll.



Fazit

Ein toller Bausatz der mächtig viel Spaß bereitet hat. Passgenauigkeit, Detailreichtum und Preis- / Leistungsverhältnis stehen hier im Einklang. Sehr empfehlenswert!


Preis / Leistung: ***** Paßgenauigkeit: *****
Detailierung: ***** Schwierigkeitsstufe: *****



© 03/2011 Thomas Stefanus

7545 Leser des Bauberichts seit dem 19.03.2011

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